Schifffahrt ✪ Vom Leben unter dem Eis ✪ Unterwegs mit der Polarstern ✪ Doku Deutsch HD ✪

57 Tage auf hoher See, auf der Suche nach dem Leben unter dem Eis: Das ist das Programm des Forschungseisbrechers „Polarstern“ des Deutschen Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven bei seiner jüngsten Antarktis-Expedition. ZDF-Reporterin Hildegard Werth und Kameramann Ludger Nüschen sind vom ersten bis zum letzten Tag mit dabei. Zwei Monate in Meer und Eis, begleitet von Stürmen, nervenaufreibenden Rammeis-Fahrten und dem Risiko, für etliche Monate im Eis festzufrieren.
Ziel der langen Reise ist das Weddellmeer in der Antarktis, eine der unzugänglichsten Gegenden der Erde. Dort sind Tausende von Quadratkilometern von schwimmenden Gletschern bedeckt. Für den Fahrtleiter der Polarstern, Prof. Julian Gutt vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, beginnt damit ein Kampf gegen die Zeit: Denn nur im kurzen antarktischen Sommer kann es gelingen, einen Weg durch die Eismassen zu bahnen. Die Chancen dafür scheinen bei dieser Expedition allerdings gut zu sein. Denn auch im Weddellmeer hat der Klimawandel seine Spuren hinterlassen. In den letzten 15 Jahren sind immer wieder große Tafeln des Larsen-Schelfeises abgebrochen, so dass die Meeresoberfläche dort zum ersten Mal seit Zehntausenden von Jahren im Sommer eisfrei ist.
Die Erwärmung hat allerdings noch einen weiteren Effekt. Wenn das Meer eisfrei ist, bekommt es mehr Sonnenlicht. Dadurch bilden sich bis hinab auf den Meeresboden neue Lebensgemeinschaften. Biologen aus fünf europäischen Ländern und den USA wollen diese Tier- und Pflanzenwelt im Wasser und am Meeresboden im Rahmen dieser Expedition erforschen. Denn trotz der eisigen Temperaturen gibt es hier ein erstaunlich buntes und artenreiches Leben, das an die Korallenriffe der Tropen erinnert. Lebewesen, die sich perfekt an die harten Bedingungen angepasst haben, an ein Leben bei Wassertemperaturen um minus zwei Grad und an die langen, lichtlosen Wintermonate. Mit einer Unterwasserkamera filmen die Forscher gigantische Glas-Schwämme, metergroße Sonnen-Seesterne und die geheimnisvollen Eisfische, deren Blut nicht rot ist, sondern farblos. In ihren Netzen finden sie faszinierende Bewohner der Tiefe: Handtellergroße Asseln, Seespinnen, Schlangensterne und martialisch aussehende Flohkrebse. Und – als Vorboten des Klimawandels – die glibberigen Salpen. Eine Tierart, deren Rolle im Ökosystem des Südpolarmeeres noch weitgehend unerforscht ist.
Eine Expedition ans Ende der Welt ist auch für die beiden Fernsehschaffenden eine besondere Herausforderung. Neben den Unbilden des Wetters und der ungewohnten Enge auf einem Schiff, gilt es insbesondere auch die technischen Herausforderungen zu meistern. „Noch nie sind von einem fahrenden Schiff in der Antarktis aktuelle Fernsehbeiträge für das deutsche TV-Programm abgesetzt worden“, konstatiert Hildegard Werth, die als erste Nachrichtenjournalistin für so lange Zeit an Bord der „Polarstern“ ist. „Unsere BGAN-Satellitenübertragungsanlage hat sich in dieser Hinsicht hervorragend bewährt: Wir haben mehr als zwei Dutzend Nachrichtenbeiträge und Videos für unsere Polarstern-Webseiten abgesetzt.“
Kameramann, Tontechniker, Cutter und Sendetechniker, Ludger Nüschen ist auf dieser Reise alles in einer Person. Für jede Überspielung muß er mit Schnitt- Laptop und Satellitenübertragungsanlage in einer halsbrecherischen Aktion über eine schmale, steile Eisenleiter ins sogenannte ‚Krähennest‘ des Schiffes hinaufsteigen und dort bis zu drei Stunden ausharren, um die Beiträge in akzeptabler Qualität zu überspielen. Auch Schnitt und Vertonung bleiben nicht ohne Abenteuerkomponente, wie Hildegard Werth weiter schildert: „Das müssen wir auf einem schwankenden Schiff bei hohem Seegang oder beim Eisbrechen machen, während um uns herum alles rappelt, klappert, ächzt und wir vom Schnittcomputer bis zur Teetasse und selbst den Stuhl, auf dem man sitzt, gründlich vertäuen müssen.“
Von all diesen Erlebnissen berichten Hildegard Werth und ihr Kameramann Ludger Nüschen in der planet e. – Dokumentation „Vom Leben unter dem Eis“.
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