Mit Jubel in die Hölle – 100 Jahre Erster Weltkrieg

„Unsere Stimmung ist glänzend, ernst und weihevoll; es ist doch etwas Eigenartiges, wenn man so nahe an dem Tode steht.“ Es sind verstörende Worte aus dem achtbändigen Kriegstagebuch des bayerischen Offiziers Kurt Hopffer, der auszog, um sich auf dem Schlachtfeld als Held zu beweisen. Noch heute befindet sich seine Chronik – ein beachtlicher Dokumentenfund – in Familienbesitz. Hopffer starb bei Verdun: „Heute ist Himmelfahrt“, begann sein letzter Eintrag ins Tagebuch am 1. Juni 1916. Persönliche Aufzeichnungen wie diese, von Soldaten des Ersten Weltkriegs, bilden die Grundlage für den Film von Stefan Brauburger und Stefan Mausbach.
Im Sommer 1914 brachte das Attentat von Sarajevo das Pulverfass Europa zur Explosion. Wie in Berlin begrüßten auch Menschen in Wien, Paris und London den Ausbruch des Krieges, von dem noch niemand ahnte, wie mörderisch er wirklich werden würde. Er begann mit dem Angriff der deutschen Armee im Westen, zunächst noch eher traditionell mit Zangenbewegungen großer Truppenteile, doch dann wendete sich das Blatt. Die anfänglichen Sturmläufe mit „Hurra“-Geschrei, die an die Schlachten des 19. Jahrhunderts erinnerten, erstarben in der Feuerkraft moderner Waffen. Das Maschinengewehr und schwere Artillerie löschten in wenigen Stunden ganze Truppenteile aus. Noch nach 100 Jahren wirken die historischen Kriegsschauplätze beklemmend, die Spuren der Schlachten lassen nur erahnen, was dort Hunderttausende meist junge Menschen erleiden mussten.
In dem Film verleihen die Autoren bewegenden Kriegsschicksalen ein Gesicht und eine Stimme. Die Vorlage bilden Tagebücher und Briefe von drei deutschen Soldaten und ihren Angehörigen. So zeichnet der Film ein Bild des Infernos „von unten“, spiegelt die persönliche Haltung zum Krieg, die Erfahrungen im zermürbenden Stellungskampf und das Schicksal der Familien aus verschiedenen Blickwinkeln.
Ganz im Stil vergangener Zeiten stürmte der Münchner Offizier Kurt Hopffer mit gezogenem Säbel in die Todeszone zwischen den feindlichen Stellungen, er will Held und Vorbild sein für seine Männer und wird dafür mit höchsten Orden dekoriert. Seine Aufzeichnungen vermitteln das Bild eines jungen Menschen, für den der ehrenvolle Tod für Kaiser und Vaterland wichtiger schien als das eigene Leben.
Ein Rekrut der ersten Tage ist auch der 18jährige Peter Kollwitz. Er musste seinem Vater das Einverständnis, sich freiwillig melden zu dürfen, erst abringen. Bereits im Oktober 1914 wird er an der Front in Flandern tödlich getroffen. Seine Mutter, die Bildhauerin Käthe Kollwitz, die großes Verständnis hatte für die Begeisterung ihres Sohnes und sein Anliegen unterstützte, ist nach der Todesnachricht verzweifelt, verleiht ihrem Schmerz in einem Kunstwerk Ausdruck, mit dem sie dem verlorenen Kind ein Denkmal setzt.
Der Münchner Jurist Karl Rosner sieht sich von Anfang an als Außenseiter. Für ihn ist der Gedanke, kämpfen zu müssen, ein Albtraum, der Krieg ein sinnloses Gemetzel. „In der Fremde sein bisschen Jugend opfern, für wen eigentlich?“, vertraut er seinem Tagebuch an. Rosner wird 1916 durch die Hölle von Verdun gehen und ihr nur mit großem Glück lebend entkommen.https://i.ytimg.com/vi/Wt0u8TLtBHI/maxresdefault.jpg